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Category : Privat

05 Jul 2016

Hallo Freund.

Das fällt mir jetzt gerade wirklich schwer. Ich habe erstmal keine weitere B52-Ausgabe für dich. Ich habe generell erstmal nichts, was ich dir zeigen kann, wozu ich gerne deine Meinung hören würde. Es bricht mir das Herz und mir ist wirklich schlecht bei dem Gedanken, was ich dir jetzt sagen muss. Vielleicht mache ich da auch etwas zu viel Aufstand drum, aber dieses Mal schreibe ich das mehr für mich als für dich.
Nimm‘ es als öffentlichen Tagebucheintrag. Vielleicht ist es auch einfach ein Versuch, mich vor mir selbst zu rechtfertigen. Ich brauche das jetzt einfach, auch wenn das wahrscheinlich ziemlich egoistisch ist.
Ich werde auf unbestimmte Zeit die Kamera an den Nagel hängen, zumindest auf professioneller Ebene. Ich nehme mir eine Auszeit von der Fotografie.
In letzter Zeit ging es mir nicht besonders gut. Ich bin ständig ausgelaugt, erschöpft und vielleicht auch ein bisschen ausgebrannt. Es fällt mir schwer, mich mehr als 20 Minuten am Stück auf eine Sache zu konzentrieren. Mir fehlen quasi die Höhen und die Tiefen. Das fing, glaube ich, im Februar oder März an. Zu diesem Zeitpunkt habe ich einen Job im Familienbetrieb angenommen, da ich mittelfristig von der Fotografie noch nicht leben kann. Alleine das einzugestehen, verlangt mir sehr viel ab, da es sich anfühlt als hätte ich versagt.
Manchmal muss man aber auf seinen Verstand hören, auch wenn das Herz gerade in die Socken sinkt. Mein Herz sagt mir, dass ich gerade meine Ideale und meine Leidenschaft verkaufe. Mein Verstand sagt mir, dass ich mich gerade in etwas verrenne, indem ich versuche auf Biegen und Brechen doch noch die Kurve zu kriegen. Dieser Tunnelblick ist im Geschäftsleben sicherlich nicht unbedingt etwas Schlechtes, aber wenn es soweit führt, dass die eigene Gesundheit leidet und man sozial verkümmert, dann muss man einfach etwas ändern.
Neben der Fotografie als Geschäft habe ich einen Instagram-Blog über meinen Hund Maya, den ich gerne zu gegebenem Zeitpunkt ausweiten möchte und außerdem arbeite ich für den Familienbetrieb am Webdesign, Offlinedesign (gut macht eigentlich mein Bruder, aber ich helfe 😉 und täglich anfallenden Sachen. So komme ich momentan auf Minimum 60 Stunden Arbeit die Woche. Dann habe ich natürlich auch noch private Verpflichtungen und schlafe wahrscheinlich so etwa 4 bis 5 Stunden pro Nacht. Das klingt jetzt sicherlich alles sehr weinerlich, aber ich finde, man muss sich auch im Klaren sein, dass man eine gewisse Work-Life-Balance braucht.

Wer mich besser kennt, hat sicher in den letzten Wochen bis Monaten gemerkt, dass ich anders geworden bin. Ich isoliere mich schnell, man sieht mich nicht mehr so oft und wenn man mich sieht, habe ich eigentlich nichts, worüber ich reden kann, da ich neben meinem Beruf meine Hobbies und meine Freunde vernachlässige.
Ich möchte das nicht mehr; ich muss irgendwo cutten. Schweren Herzens muss dieser Schnitt bei der Fotografie erfolgen. Es ist leider die logische Schlussfolgerung, da ich hier das Verhältnis zwischen investierter Zeit und Nutzen, den ich daraus ziehen kann, am unausgeglichensten ist.
Meiner Meinung nach muss diese Trennung von meiner Leidenschaft als Beruf aber nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. In den letzten Wochen habe ich mich immer wieder unter dem Druck gesehen, zu produzieren. Um bei Facebook, Instagram und den ganzen anderen Social Media-Kanälen kontinuierlich Reichweite zu generieren. Meine Arbeiten sind in meinen Augen zu dem geworden, was der Name schon sagt. Arbeiten. Um nicht zu sagen Fließbandarbeiten. Kaum Seele, kaum Finesse, nur noch ein Abgespule von Techniken und Routinen, da ich mir nicht leisten konnte, Zeit zu investieren in Planung, Konzeption, Scouting und letzten Endes auch Retusche und Präsentation. Ich habe eigentlich höhere Ansprüche an meine Arbeit und werde meiner eigenen Messlatte nicht mehr gerecht.
Das hat ein Ende. Ich werde natürlich meine ausstehenden Arbeiten beenden, aber danach werde ich die Kamera für ein oder zwei Monate gänzlich beiseitelegen und danach hoffentlich befreit mit neuen Ideen und neuer Energie wieder wie früher an die Fotografie rangehen.

Mehr als Leidenschaft. Ohne den Druck kommerziell erfolgreich zu sein.
Das ist kein Goodbye. Es ist mehr ein Auf Wiedersehen.